Nicht ICH sondern ER

ew • 14. Mai 2026

Apg 18, 9-18      Freitag, 6. Osterwoche

Als Paulus in Korinth war, sagte der Herr nachts in einer Vision zu ihm: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, nie-mand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt. So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes. Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden ein-mütig gegen Paulus auf, brachten ihn vor den Richterstuhl und sagten: Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt. Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: Läge hier ein Vergehen oder Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage ordnungsgemäß behandeln. Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer Gesetz, dann seht selber zu! Darüber will ich nicht Richter sein. Und er wies sie vom Richterstuhl weg. Da ergriffen alle den Synagogenvorsteher Sosthenes und verprügelten ihn vor dem Richter-stuhl. Gallio aber kümmerte sich nicht darum. Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priszilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich auf-grund eines Gelübdes den Kopf kahl scheren lassen


Eine wichtige Lektion.

Paulus soll also in Korinth bleiben, den Auftrag vom Herrn dazu erhält er nachts in einer Vision. Es ist nicht nur eine Vision, sondern auch eine tiefe Lektion, die Paulus in dieser Nacht von Gott erhält. Nicht er, Paulus, ge-winnt die Menschen für den Herrn, sondern Jesus ist längst vor Paulus in Korinth gewesen und hat sich dort ein großes Volk erwählt.


Gut merken!

Wir Priester, aber auch alle, die verantwortlich in der Pfarrarbeit eingebun-den sind, müssen sich dies gut merken. Nicht wir gewinnen durch unseren Einsatz dem Herrn ein Volk (so denken wir es uns gern in unserer angeborenen Ichhaftigkeit aus), sondern Jesus selbst ruft die Menschen zu einer neuen Gemeinschaft zusammen. Die Einwohner von Korinth ahnen selber nichts davon, aber der Blick Jesu ist schon auf sie gerichtet.


Nur Mut!

In dieser Zuversicht darf jeder Christ, nicht nur wir Priester, wenn wir pre-digen, vor den Leuten stehen. Wir müssen uns nur trauen, mit Freimut von Jesus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen zu sprechen. Jesus sagte zu Paulus in Vers 10: „Ich bin mit dir.“ Diese Zusage gilt auch uns heutigen Christen.


Bild: pexels-photo-5486199 / Maxim Goncharenok

Ihr Kommentar

tägliche Schriftbetrachtung

von ew 12. August 2026
Ez 12, 1-12 Donnerstag, 19. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, du wohnst mitten unter einem widerspenstigen Volk, das Augen hat, um zu sehen, und doch nicht sieht, das Ohren hat, um zu hören, und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Volk. Du, Menschensohn, pack deine Sachen, als würdest du verschleppt, und geh am hellen Tag vor ihren Augen weg, als ob du vor ihren Augen von deinem Wohnsitz an einen andern verschleppt würdest. Vielleicht sehen sie es; aber sie sind ja ein widerspenstiges Volk. Trag dein Gepäck bei Tag vor ihren Augen hinaus, wie ein Mann, der verschleppt wird. Am Abend aber geh selbst vor ihren Augen hinaus, wie die Leute, die in die Verbannung ziehen. Brich dir vor ihren Augen ein Loch in die Wand, und kriech hindurch! Vor ihren Augen nimm das Gepäck auf die Schulter! Bring es in der Dunkelheit weg! Verhülle dein Gesicht, damit du das Land nicht mehr siehst. Denn ich habe dich zum Mahnzeichen für das Haus Israel gemacht. Ich tat, was mir befohlen wurde. Bei Tag trug ich mein Gepäck hinaus, wie ein Mann, der verschleppt wird. Am Abend brach ich mit den Händen ein Loch durch die Wand; in der Dunkelheit kroch ich hindurch. Dann nahm ich vor ihren Augen das Gepäck auf die Schulter. Am nächsten Morgen erging das Wort des Herrn an mich: Menschensohn, hat nicht das Haus Israel, das widerspenstige Volk, zu dir gesagt: Was machst du da? Sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Dieses drohende Wort gilt dem Fürsten von Jerusalem und dem ganzen Volk Israel, das in Jerusalem wohnt. Sag: Ich bin ein Mahnzeichen für euch: Was ich getan habe, das wird mit ihnen geschehen; in die Verbannung, in die Gefangenschaft werden sie ziehen. Ihr Fürst wird in der Dunkelheit sein Gepäck auf die Schulter nehmen und hinausgehen. In die Mauer wird man ein Loch brechen, um hindurchzugehen. Er wird sein Gesicht verhüllen, um mit seinen Augen das Land nicht zu sehen. Pack deine Sachen Ezechiel soll einen Auftrag ausführen. Er soll seine Sachen packen und vor den Augen der Israeliten weggehen, so als würde er in die Verbannung gehen und nicht mehr zurückkommen. Das Volk soll nicht nur hören, was er sagt, sie sollen auch am Leben des Ezechiel mit den Augen sehen und erkennen, was Gott von ihnen fordert. Gott ist ein guter Pädagoge. Er weiß, dass Worte sehr schnell wieder vergessen werden, dass aber ein Lebensbeispiel, ein Lebenszeugnis beeindruckt und besser im Gedächtnis haften bleibt. Was machst du da? Ezechiel soll solange sein Gepäck packen und vor den Augen des Volkes weggehen bis sie anfangen zu frage: Was tust du denn da. Was soll denn das. Worin liegt der Sinn? Lebst du auch was du glaubst und verkündest? Mehr als Worte beeindruckt sicher das Lebenszeugnis eines Menschen, darum soll auch ein Christ vor allem durch sein Leben den Menschen um ihn herum ein Zeugnis seines Glaubens geben. Solange bis sie anfangen zu fragen: Warum machst du das? Warum gehst du am Sonntag in die Kirche, warum töten Christen keine kleinen Kinder im Mutterleib … So stellt mir die heutige Lesung die Frage: Lebst du auch was du glaubst und verkündest? Bild: pexels-photo-9185813 / Timur Weber
von ew 11. August 2026
Ez 9, 1-8a; 10, 18-22 Mittwoch, 19. Woche Gott, der Herr, schrie mir laut in die Ohren: Das Strafgericht über die Stadt ist nahe. Jeder soll sein Werkzeug zum Zertrümmern in die Hand nehmen. Da kamen sechs Männer vom oberen Tor, das im Norden liegt. Jeder hatte sein Werkzeug zum Zertrümmern in der Hand. Unter ihnen war auch ein Mann, der ein leinenes Gewand anhatte; an seinem Gürtel hing Schreibzeug. Sie kamen herein und stellten sich neben den Altar aus Bronze. Die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte von den Kerubim, über denen sie war, hinüber zur Schwelle des Tempels. Er rief den Mann, der das leinene Gewand anhatte und an dessen Gürtel das Schreibzeug hing. Der Herr sagte zu ihm: Geh mitten durch die Stadt Jerusalem und schreib ein T auf die Stirn aller Männer, die über die in der Stadt begangenen Gräueltaten seufzen und stöhnen. Und ich hörte, wie er zu den anderen sagte: Geht hinter ihm her durch die Stadt, und schlagt zu! Euer Auge soll kein Mitleid zeigen, gewährt keine Schonung! Alt und jung, Mädchen, Kinder und Frauen sollt ihr erschlagen und umbringen. Doch von denen, die das T auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren. Beginnt in meinem Heiligtum! Da begannen sie bei den Ältesten, die vor dem Tempel standen. Er sagte zu ihnen: Macht den Tempel unrein, füllt seine Höfe mit Erschlagenen! Dann geht hinaus, und schlagt in der Stadt zu! Sie schlugen zu, und ich allein blieb übrig; Da verließ die Herrlichkeit des Herrn die Schwelle des Tempels und nahm wieder ihren Platz über den Kerubim ein. Die Kerubim bewegten ihre Flügel und hoben sich vor meinen Augen vom Boden empor. Sie gingen hinaus, und die Räder liefen an ihrer Seite mit. Vor dem östlichen Tor am Haus des Herrn blieben sie stehen. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte über ihnen. Es waren die Lebewesen, die ich unter dem Thron des Gottes Israels am Fluss Kebar gesehen hatte, und ich erkannte, dass es Kerubim waren. Jedes dieser Lebewesen hatte vier Gesichter und vier Flügel. Unter ihren Flügeln hatten sie etwas, das wie Menschenhände aussah. Ihre Gesichter glichen den Gesichtern, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Jedes Lebewesen ging in die Richtung, in die eines seiner Gesichter wies. Beginnt in meinem Heiligtum! Eine furchtbare Lesung voller Gewalt. Auch wenn ich die Brutalität der heutigen Lesung nicht verstehe, so kann ich doch erkennen, dass das Gericht am Heiligtum beginnt, das zum Ort des Götzendienstes geworden ist. „Beginnt in meinem Heiligtum“ Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. Gott geht zuerst zum Tempel. Er möchte sich davon überzeugen, dass er dort einen rechten Tempeldienst vorfindet. Aber bereits an der Schwelle des Tempels sieht er den Götzendienst, der sich eingeschlichen hatte. Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. In Ez 8,11 wird beschrieben, dass „siebzig Männer von den Ältesten (also der gesamte Rat der Ältesten, die das ganze Volk repräsentieren) hingebungsvoll damit beschäftigt waren, ihren Götzendienst zu praktizieren.“ Niemand war mehr da, der dem Götzendienst ein Ende setzen wollte. Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. Wenn der Gottesdienst nicht mehr stimmt, dann fehlt auch der Segen auf dem Volk. Hat man Gott vergessen, dann ist der Mensch auf sich selbst geworfen und macht sich selbst zum Maß aller Dinge. Etwas Schlimmeres kann es nicht geben. „Der Herr sieht uns nicht“, So sagten es die Einwohner des Landes bereits ein Kapitel zuvor (Ez 8, 12). Der Herr sieht uns nicht, darum lasst uns leben nach unserer Façon. Darum lasst uns ablegen die Gebote Gottes und unserer Lust frönen, der Herr sieht uns nicht, er hat das Land verlassen. Gott überließ sie ihren eigenen Leidenschaften und ihren eigenen Gräueltaten. Gott überlässt die Menschen den Konsequenzen ihres eigenen Tuns. Das soll der Sinn dieser Visionen sein. Es ist, als ob Gott sagt: Gut, dann nehmt eure Werkzeuge, mit denen ihr eigentlich etwas aufbauen und erschaffen sollt, und benutzt sie zum Zertrümmern. Schreib ein T auf die Stirn aller Männer. Wer zu Gott hält, wird von ihm gerettet. Die Sehnsucht Gottes ist zu retten. Auch wenn wir solche schrecklichen Schilderungen in der Bibel lesen, dann dürfen wir doch an Gott nicht irrewerden. Leid, Tod und Not gehen immer vom Menschen aber niemals von Gott aus. Gott ist ein Gott der retten möchte. Er möchte sein Erbarmen und seine Liebe über allen Menschen ausschütten. Bild: pexels-photo-30735645 / Anastasiia Klochk o
von ew 10. August 2026
Ez 2, 8 - 3, 4 Dienstag, 19. Woche So spricht der Herr: Du, Menschensohn, höre, was ich zu dir sage. Sei nicht widerspenstig wie dieses widerspenstige Volk! Öffne deinen Mund, und iss, was ich dir gebe. Und ich sah: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; sie hielt eine Buchrolle. Er rollte sie vor mir auf. Sie war innen und außen beschrieben, und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben. Er sagte zu mir: Menschensohn, iss, was du vor dir hast. Iss diese Rolle! Dann geh, und rede zum Haus Israel! Ich öffnete meinen Mund, und er ließ mich die Rolle essen. Er sagte zu mir: Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe. Ich aß sie, und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig. Er sagte zu mir: Geh zum Haus Israel, Menschensohn, und sprich mit meinen Worten zu ihnen! Sei nicht widerspenstig. Das könnte Gott auch zu mir sagen: Edgar, sei nicht widerspenstig. Du weißt, was zu tun ist. Fange endlich an, dein Christsein ernst zu nehmen, und lebe nicht mit Halbheiten. Öffne deinen Mund, und iss, was ich dir gebe. Es ist leicht zu verstehen, was Gott hier meint. Ezechiel soll die Buchrolle, das Wort Gottes, in sich aufnehmen. In einer Tropfsteinhöhle kann man gut sehen, dass viele Tropfen Wasser über die Zeit große Stalagmiten und Stalaktiten wachsen lassen können. Wenn wir täglich das Wort Gottes in uns aufnehmen, dann kann auch in uns geistlich etwas wachsen. Auch wir müssen die Buchrolle, das Wort Gottes, essen. Sie wurde in meinem Mund süß wie Honig Die Buchrolle, die Ezechiel essen muss, enthält nichts als Klagen, Seufzer und Weherufe, aber dennoch schmeckt sie Ezechiel süß wie Honig. Bei aller Bitterkeit, die ihm bevorsteht, weiß sich der Pro-phet auf der Seite Gottes. Er weiß, dass Gott es gut mit ihm meint, egal ob er lobt oder tadelt, ob er sich über meine Taten freut, oder ob es da etwas zum Beklagen gibt. Sprich mit meinen Worten zu ihnen! Das ist eine Herausforderung auch für mich. Auch ich (und du, lieber Leser, liebe Leserin) soll nicht meine eigenen Vorstellungen von Glaube und Kirche verkünden, sondern das, was Gott gefällt und das, was die Kirche lehrt. Wir sehen: Auch heute ist die Lesung wieder ganz konkret. Bild: pexels-photo-8550727 / Kindel Media 
von ew 9. August 2026
Ez 1, 2-5.24-28c Montag, 19. Woch e Am fünften Tag des Monats - es war im fünften Jahr nach der Verschleppung des Königs Jojachin - erging das Wort des Herrn an Ezechiel, den Sohn Busis, den Priester, im Land der Chaldäer, am Fluss Kebar. Dort kam die Hand des Herrn über ihn. Ich sah: Ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke mit flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem Feuer strahlte es wie glänzendes Gold. Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen. Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen. Ich hörte das Rauschen ihrer Flügel; es war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen, wie die Stimme des Allmächtigen. Wenn sie gingen, glich das tosende Rauschen dem Lärm eines Heerlagers. Wenn sie standen, ließen sie ihre Flügel herabhängen. Ein Rauschen war auch oberhalb der Platte, die über ihren Köpfen war. Wenn sie standen, ließen sie ihre Flügel herabhängen. Oberhalb der Platte über ihren Köpfen war etwas, das wie Saphir aussah und einem Thron glich. Auf dem, was einem Thron glich, saß eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah. Oberhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie glänzendes Gold in einem Feuerkranz. Unterhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein. Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Als ich diese Erscheinung sah, fiel ich nieder auf mein Gesicht. Und ich hörte, wie jemand redete. Die Lesung schildert uns heute einen ersten Teil der Berufungsgeschichte des Propheten Ezechiel. Gott erscheint dem Propheten, aber Ezechiel kann es kaum in Worte fassen, was er sieht, erlebt und empfindet. Er kann eigentlich nur stammeln und in Vergleichen beschreiben, was ihm widerfährt. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. • wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen. • wie die Stimme des Allmächtigen. • eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah. • etwas wie glänzendes Gold in einem Feuerkranz. • etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein. • wie der Anblick des Regenbogens. Und dann endet er mit seiner Beschreibung: So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Ich habe gelesen, dass im Durchschnitt jeder Muttersprachler ungefähr 12 000 bis 16 000 Wörter als aktiven Wortschatz kennt. Unsere endlichen menschlichen Worte sind viel zu dürftig, um etwas Unendliches, um Gott zu beschreiben. Es bleibt Ezechiel nichts anderes übrig, als Vergleiche aus seiner damaligen Welt zurate zu ziehen, um Gott zu beschreiben. Er weiß, dass dies ungenügend ist. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Im Hochgebet der heiligen Messe bete ich jeden Tag: „ … wo wir dich schauen von Angesicht zu Angesicht.“ Eines Tages, wenn wir in den Himmel kommen, werden wir Gott sehen. Dann werden die Schleier fallen und wir brauchen keine menschlichen Vergleiche mehr heranzuziehen, um Gott zu beschreiben. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Aber ich bezweifle, dass wir auch dann, wenn wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, sein Wesen ganz ergründen können. Wir werden sicher eine Ewigkeit brauchen, um Gott in seiner Tiefe und seiner Schönheit zu erkennen. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Wir werden, so hat es einmal jemand gesagt, Gott nicht immer besser erkennen, sondern immer weniger ungenügend. Das wenige, das ich heute schon von Gott erkennen darf, ist jedoch schon so schön, dass es sich lohnt, alles in die Waagschale zu werfen, um diesem Gott immer näherzukommen. Bild: pexels-photo-2530823 / Jorge Fakhouri Filho
von ew 7. August 2026
Hab 1, 12 – 2, 4 Samstag, 18. Woche 1, 12Herr, bist du nicht seit Urzeiten, mein heiliger Gott? Gewiss werden wir nicht sterben! Herr, du hast sie dazu gerufen, an uns das Gericht zu vollziehen: Du, unser Fels, du hast sie dazu bestimmt, uns zu bestrafen. 13Deine Augen sind zu rein, um Böses mit anzusehen, du kannst der Unterdrückung nicht zusehen. Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt? 14Warum behandelst du die Menschen wie die Fische im Meer, wie das Gewürm, das keinen Herrn hat? 15Mit der Angel holt er sie alle herauf, er schleppt sie weg in seinem Netz und rafft sie fort in seinem Fischgarn; er freut sich darüber und jubelt. 16Deshalb opfert er seinem Netz und bringt seinem Fischgarn Rauchopfer dar; denn durch sie hat er reichen Gewinn und ein üppiges Mahl. 17Darum zückt er unablässig sein Schwert, um ohne Erbarmen die Völker zu morden. 2, 1Ich will auf meinem Wachtturm stehen, ich stelle mich auf den Wall und spähe aus, um zu sehen, was er mir sagt und was ich auf den Vorwurf gegen mich antworten soll. 2Der Herr gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann! 3Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. 4Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben. Warum siehst du also den Treulosen zu? Die Frage, warum Gott dem Unrecht und dem Leid in der Welt scheinbar tatenlos zuschaut, ist eine der schmerzhaftesten Fragen der Menschheit. Der Prophet Habakuk schreit zu Gott: Er sieht Gewalt und Unterdrückung und versteht die Welt nicht mehr. Gott schweigt und greift nicht ein. Er schaut nur zu und lässt das Böse walten. Warum siehst du also den Treulosen zu? Habakuk klagt Gott an. Er wirft ihm vor, wegzuschauen. „Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt?“ Der gläubige Mensch braucht das Unrecht nicht stumm erdulden. Er darf Gott klagen und er darf Gott auch anklagen. Warum siehst du also den Treulosen zu? Das Gebet darf auch ein Klagen über die Not und selbst ein Anklagen Gottes sein. Gott hält unseren Schmerz und unsere Wut über das Unrecht aus. Die Klage hilft dem leidenden Menschen und tröstet ihn – selbst wenn keine Lösung in Sicht ist. Warum greift Gott nicht ein? Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch jede Gewalttat und jedes Unrecht sofort auslöschen können. Gott könnte doch im Handumdrehen alle bösen Menschen auf dieser Welt sofort austilgen. Ja, aber dann hätten wir ein großes Problem. Dann gäbe es auch dich und mich nicht mehr, denn auch durch mich und durch dich geschehen hin und wieder böse Sachen. Warum greift Gott nicht ein? Gott hat den Menschen mit echtem, freien Willen ausgestattet. Liebe kann nicht programmiert werden; sie ist nur dort echt, wo auch die Fähigkeit zur Freiheit und damit leider auch zu Ablehnung und zur Sünde existiert. Warum greift Gott nicht ein? Wenn Gott bei jedem menschlichen Fehltritt, bei jeder Ungerechtigkeit sofort mechanisch eingreifen würde, gäbe es keine menschliche Freiheit mehr. Wir wären Marionetten. Warum greift Gott nicht ein? Das ungreifbare Schweigen Gottes ist also oft der Preis dafür, dass Gott uns ernst nimmt als eigenständige, freie Wesen – auch wenn wir diese Freiheit erschreckend oft missbrauchen. Bild: pexels-photo-6382710 / Liza S ummer
von ew 6. August 2026
Nah 2, 1.3; 3, 1–3.6–7 Freitag, 18. Woche 2, 1Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Juda, feiere deine Feste, erfülle deine Gelübde! Denn der Unheilstifter durchstreift dein Land nicht mehr; er ist völlig vernichtet. 3Wahrhaftig, der Herr stellt die Pracht Jakobs wieder her wie die Pracht Israels; denn Verwüster haben sie verwüstet und ihre jungen Reben vernichtet. 3, 1Weh der Stadt voll Blutschuld; sie ist nichts als Lüge. Voll von Raffgier ist sie, vom Rauben lässt sie nicht ab. 2Knallen von Peitschen und Gedröhn rasselnder Räder, durchgehende Pferde und holpernde Streitwagen. 3Hochsteigende Reiter, flammende Schwerter, blitzende Lanzen, eine Menge Erschlagener, eine Masse von Toten, kein Ende der Leichen, man stolpert über ihre Leichen. 6Mit Kot bewerfe ich dich, gebe dich der Verachtung preis und mache dich zum Schaustück. 7Dann wird es geschehen Wer immer dich sieht, schreckt vor dir zurück und sagt: Verwüstet ist Nínive. Wer hat Mitleid mit ihr? Wo soll ich suchen einen Tröster für dich? Die Lesung verlangt mir heute einiges ab und wirft Fragen auf. Warum liest man in einem heiligen Buch von so viel Grausamkeit? Wie verträgt sich das mit einem Gott der Liebe? Verwüstet ist Nínive. Die Verse aus dem Buch Nahum gehören zu den gewalttätigsten Texten des Alten Testaments. Sie beschreiben den Untergang Ninives mit drastischen Bildern von Peitschenknallen, rasenden Wagen, Blut, Plünderungen und einer Masse von Toten. Verwüstet ist Nínive. Die Bibel blendet die dunklen Seiten des Menschen nicht aus. Assyrien war historisch für extreme Grausamkeit, Unterdrückung und Terror bekannt. Die Hauptstadt Ninive war das Zentrum eines brutalen Terrorregimes. Die Bibel beschreibt die Realität einer Welt, die unter Gewalt und Unrecht leidet. Verwüstet ist Nínive. Solche Texte schmerzen beim Lesen, weil sie uns mit der dunklen Seite der Menschheit und der Konsequenz von Schuld konfrontieren. Sie stehen in der Bibel, weil dieses Buch nicht nur ein „frommes“ Buch ist, sondern auch ein ehrlicher Spiegel der menschlichen Geschichte. Die Bibel heißt Gewalt nicht für gut, aber sie dokumentiert die Grausamkeit unter den Menschen. Verwüstet ist Kiew. Gestern Morgen habe ich in den Nachrichten gelesen: „Russischer Großangriff auf Region Kiew fordert 17 Menschenleben“. Die Mechanismen von Macht, Terror und Größenwahn haben sich über Jahrtausende hinweg kaum verändert haben. Ist unsere moderne Welt anders als die Zeit im 7. Jahrhundert vor Christus? Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Fast hätte ich den ersten Satz überlesen. Das Dunkle in der Lesung war stärker als die frohe Botschaft und überdeckte den ersten Vers. Schlechte Nachrichten übertönen oft die leisen Hoffnungszeichen. Erst als ich die Lesung zum dritten Mal las, bemerkte ich die Freudennachricht. Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Das Gute ist stärker – immer! Gott ist und bleibt ein Gott der Liebe, auch im Alten Testament. Das ändert auch die Tatsache nicht, dass Menschen seine Liebe ausschlagen und eigene Wege gehen, die dann ein solches Unglück auslösen können, wie die Lesung beschreibt. Wer Gewalt sät, wird an der eigenen Frucht untergehen. Das Gute ist stärker – immer! Wir dürfen uns von den negativen Nachrichten nicht irremachen lassen. Niemals! Gott hasst das Unglück, Gewalt und Lüge (sofern er überhaupt in der Lage ist zu hassen, denn Gott ist nichts anderes als Liebe). Am Ende triumphiert der Freudenbote, und der Unheilstifter durchstreift das Land nicht mehr. Bild: pexels-photo-15822314-8d0bd445 / Emirhan Emiroğlu
von ew 5. August 2026
Jer 31, 31–34 Donnerstag, 18. Woche 31Siehe, Tage kommen – Spruch des Herrn —, da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund. 32Er ist nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war – Spruch des Herrn. 33Sondern so wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des Herrn: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen Gott sein und sie werden mir Volk sein. 34Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr. Alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen. Es stellt sich mir sofort die Frage: Wie geschieht diese Gotteserkenntnis? Wie können Kleine und Große, also Kinder und Erwachsene, Gott erkennen? Bisher lief Gotteserkenntnis dadurch, dass man die Thora, also das Alte Testament, erforschte. Wer das Gesetz verinnerlicht hatte, kannte die Gebote und die Schriften und damit auch Gott. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr Aber heute kommt die Wende: Die Erkenntnis des Herrn gründet auf der Erfahrung von Vergebung. Man erkennt den Herrn nicht an seinem strengen Richteramt, sondern in seiner barmherzigen, vergebenden Liebe. Erst wer erfährt, dass Schuld absolut und endgültig getilgt ist, begreift etwas vom Wesen Gottes. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr Die Erfahrung von Vergebung ist kein theoretisches Wissen über Gott, sondern das existenzielle Erleben seiner Gnade. „Klein und Groß“, also jedes Individuum, unabhängig von Bildung, sozialem Status, Alter oder Vorwissen, hat den gleichen, unmittelbaren Zugang zu Gott. Jeder kann Vergebung gewähren und erfahren. Bild: pexels-photo-17066502 / Danik Prihodko
von ew 4. August 2026
Jer 31, 1–7 Mittwoch, 18. Woche 1In jener Zeit – Spruch des Herrn – werde ich der Gott aller Sippen Israels sein und sie werden mein Volk sein. 2So spricht der Herr: Gnade fand in der Wüste das Volk, das dem Schwert entronnen ist; ich gehe mit, um Israel zur Ruhe zu führen. 3Aus der Ferne ist mir der Herr erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir die Treue bewahrt. 4Ich baue dich wieder auf, du wirst aufgebaut sein, Jungfrau Israel. Du wirst dich wieder schmücken mit deinen Pauken, wirst ausziehen im Reigen der Fröhlichen. 5Du wirst wieder Weingärten pflanzen auf Samárias Bergen. Die sie pflanzen, werden sie auch genießen. 6Denn es kommt der Tag, da rufen die Wächter auf Éfraims Bergland: Auf, lasst uns hinaufziehen nach Zion zum Herrn, unserem Gott! 7Ja, so spricht der Herr: Jubelt Jakob voll Freude zu und jauchzt über das Haupt der Völker! Verkündet, lobsingt und sagt: Rette, Herr, dein Volk, den Rest Israels! Der Prophet Jeremia, oft als der weinende Prophet bekannt, schaut in eine Zeit tiefster Zerstörung, in der Israel vor den Trümmern seiner Existenz steht. Doch genau an diesem tiefsten Punkt öffnet sich in Jeremia 31 einer der tröstlichsten Horizonte des Alten Testaments. Kapitel 30 bis 33 werden auch das Trostbuch Jeremias genannt. Wenn du auch Trost brauchst dann lass folgende Verse aus der heutigen Lesung doch einmal auf dich einwirken. Beziehe die Verse auf dich persönlich. Aus der Ferne ist mir der Herr erschienen: sie werden mein Volk sein ich gehe mit, um Israel zur Ruhe zu führen Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir die Treue bewahrt Ich baue dich wieder auf, Rette, Herr, dein Volk, den Rest Israels! Bild: pexels-photo-8718314 / my / Mikhail Nihov
von ew 4. August 2026
Jer 30, 1–2.12–15.18–22 Dienstag, 18. Woche 1Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging: 2So spricht der Herr, der Gott Israels: Schreib dir alle Worte, die ich dir gesagt habe, in ein Buch! 12So spricht der Herr: Arg ist dein Schaden, unheilbar deine Wunde. 13Niemand richtet dein Recht. Für das Geschwür gibt es keine Heilung, keine Genesung gibt es für dich. 14Alle deine Liebhaber haben dich vergessen, sie fragen nicht nach dir. Denn wie ein Feind schlägt, habe ich dich geschlagen mit harter Züchtigung wegen deiner vielfachen Schuld und deiner zahlreichen Sünden. 15Was schreist du über deinen Schaden und dein arges Leiden? Wegen deiner vielfachen Schuld und deiner zahlreichen Sünden habe ich dir das getan. 18So spricht der Herr: Siehe, ich wende das Geschick der Zelte Jakobs, seiner Wohnstätten erbarme ich mich. Die Stadt soll auf ihrem Schutthügel aufgebaut werden, der Palast auf seinem rechten Platz stehen. 19Lobgesang wird von dort erschallen und die Stimme von lachenden Menschen. Ich will ihre Zahl vermehren, sie sollen nicht weniger werden; ich will ihnen Ehre verschaffen, sie sollen nicht gering geachtet werden. 20Die Söhne Jakobs werden sein wie ehedem, seine Gemeinde wird vor mir bestehen bleiben, doch alle seine Unterdrücker suche ich heim. 21Sein Machthaber wird ihm selbst entstammen, sein Herrscher aus seiner Mitte hervorgehen. Ich gewähre ihm Zutritt, sodass er mir nahen kann; denn wer sonst dürfte sein Leben wagen, um mir zu nahen? – Spruch des Herrn. 22Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein. 1Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging. In der Bibel gibt es zahlreiche Erzählungen darüber, wie Gott zu Menschen spricht. Diese Begegnungen zeigen, dass Gott auf ganz unterschiedliche Weise kommuniziert – mal hörbar, mal durch Engel, in Träumen oder durch das Gewissen. 1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott auch durch Gefühle oder durch Bilder zu einem Menschen sprechen kann. Ziemlich oft habe ich während der Feier der Heiligen Messe das Gefühl, dass es mich nach drüben, zu Gott zieht. Manchmal erscheint in meinem Inneren auch ein Bild, das mich dann sehr tröstet und einen inneren Frieden in mir hinterlässt 1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging. Gott schenkt Bilder, weil diese in einem einzigen Augenblick mehr aussagen als gesprochene Worte. Gott benützt auch die Kraft der Bilder: Getreu dem Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ vermag Gott durch innere Bilder in einem einzigen Augenblick mehr auszudrücken als durch gesprochene Sprache. 1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging. Ich glaube, dass wir wieder einen Perspektivenwechsel brauchen. Im Zentrum unserer Gebete sollte nicht das Formulieren von Anliegen, sondern eine bewusste innere Ausrichtung und Erwartungshaltung stehen, dass Gott sich meldet und dass ein Wort von ihm auch an mich ergeht. Wir sollten mehr hören – aber mit allen Sinnen – als sprechen. 1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging. Der Begriff „hörendes Gebet“ bezeichnet eine Form der christlichen Spiritualität und Praxis, bei der das übliche Verhältnis des Betens auf den Kopf gestellt wird. Der Mund bleibt geschlossen, aber die inneren Sinne richten sich wie eine Antenne auf Gott aus, um seine Gegenwart und seine leisen Impulse wahrzunehmen. Bild: pexels-photo-13696527 / Emmanuel Jason Eliphalet
von ew 3. August 2026
Jer 28, 1–17 Montag, 18. Woche 1Im Anfang der Regierung Zidkíjas, des Königs von Juda, im fünften Monat des vierten Jahres, sagte der Prophet Hanánja, der Sohn Asurs aus Gíbeon, im Haus des Herrn vor den Augen der Priester und dem ganzen Volk zu Jeremía: 2So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Ich zerbreche das Joch des Königs von Babel. 3Noch zwei Jahre und ich bringe alle Geräte des Hauses des Herrn, die Nebukadnézzar, der König von Babel, von diesem Ort weggenommen und nach Babel gebracht hat, wieder an diesen Ort zurück. 4Auch Jójachin, den Sohn Jójakims, den König von Juda, samt allen Verschleppten aus Juda, die nach Babel kamen, bringe ich an diesen Ort zurück – Spruch des Herrn –; denn ich zerbreche das Joch des Königs von Babel. 5Der Prophet Jeremía antwortete dem Propheten Hanánja vor den Augen der Priester und vor den Augen des ganzen Volkes, die im Haus des Herrn standen. 6Der Prophet Jeremía sagte: Ganz recht! Mag der Herr so tun. Der Herr erfülle deine Worte, die du verkündet hast, und bringe die Geräte des Hauses des Herrn und alle Verschleppten aus Babel zurück an diesen Ort. 7Doch höre das Wort, das ich dir und dem ganzen Volk in die Ohren rufe: 8Die Propheten, die vor mir und vor dir seit jeher waren, prophezeiten Krieg, Unheil und Pest gegen viele Länder und mächtige Reiche. 9Der Prophet aber, der Heil prophezeit – an der Erfüllung des prophetischen Wortes erkennt man den Propheten, den der Herr wirklich gesandt hat. 10Da nahm der Prophet Hanánja das Jochholz vom Nacken des Propheten Jeremía und brach es entzwei. 11Vor den Augen des ganzen Volkes sagte Hanánja: So spricht der Herr: Ebenso zerbreche ich binnen zwei Jahren das Joch Nebukadnézzars, des Königs von Babel, vom Nacken aller Völker. Der Prophet Jeremía aber ging seines Weges. 12Nachdem nun der Prophet Hanánja das Jochholz vom Nacken des Propheten Jeremía zerbrochen hatte, erging das Wort des Herrn an Jeremía: 13Geh und sag zu Hanánja: So spricht der Herr: Jochstangen aus Holz hast du zerbrochen, dafür aber musst du nun Jochstangen aus Eisen machen. 14Denn so spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Ein eisernes Joch habe ich auf den Nacken aller dieser Völker gelegt; sie müssen Nebukadnézzar, dem König von Babel, dienen. Und sie werden ihm dienen und auch die Tiere des Feldes gebe ich ihm. 15Der Prophet Jeremía sagte also zum Propheten Hanánja: Höre, Hanánja! Der Herr hat dich nicht gesandt. Du aber hast dieses Volk dazu verführt, auf Lügen zu vertrauen. 16Darum – so spricht der Herr: Siehe, ich schaffe dich vom Erdboden fort. Noch in diesem Jahr bist du tot; denn du hast Auflehnung gegen den Herrn gepredigt. 17Im siebten Monat desselben Jahres starb der Prophet Hanánja. Du aber hast dieses Volk dazu verführt, auf Lügen zu vertrauen. Bald beginnen wieder die NightFire Gottesdienste und schon jetzt bin ich auf der Suche nach neuer Lichttechnik, um den Gottesdienstraum ansprechend zu gestalten. Leider ließ ich mich vom Onlinehändler Temu verleiten und kaufte sehr „preiswerte und hochwertige“ Lichtsäulen für die Kirche. Schon beim Auspacken merkte ich: billigste Plastikware. Die Werbung war nichts als ein billiges Versprechen. Ich habe auf eine Lüge vertraut. In der Lesung begegnet uns etwas Ähnliches Du aber hast dieses Volk dazu verführt, auf Lügen zu vertrauen. Die Lesung führt uns in die Zeit des endgültigen Untergangs Jerusalems. Jeremia trägt seit Kapitel 27 symbolisch ein hölzernes Joch um den Hals – Zeichen dafür, dass Juda sich Babylon unterwerfen soll. Du aber hast dieses Volk dazu verführt, auf Lügen zu vertrauen. Da tritt der Prophet Hananja im Tempel auf und verkündet im Namen Gottes das genaue Gegenteil: Binnen zwei Jahren werde Gott das Joch Babylons brechen. Um seine Botschaft zu unterstreichen, bricht er demonstrativ das hölzerne Joch, das Jeremia als Symbol auf seinem Nacken trägt. Hananja verkündet das, was die Menschen hören wollen, aber nicht das, was Gott gesagt hat. Jeremia gegen Hananjas Beide berufen sich auf denselben HERRN, beide verwenden dieselbe prophetische Sprache und dieselben Zeichenhandlungen, und doch sagen sie Entgegengesetztes. Wer spricht wirklich für Gott? Unterscheidung der Geister Ein Gerichtswort kann geistlich „wahrer" sein als ein Trostwort, das nur nach dem Mund der Menschen spricht. Billige China-Ware erkennt man oft erst, wenn man sie auspackt, und billige Hoffnung oft erst, wenn die Not sie auf die Probe stellt. Frage: Wo begegnen mir Stimmen, die schnelle Lösungen versprechen, dann aber an der Realität scheitern? Und wo braucht es die geduldigere, unbequemere Hoffnung, die Jeremia lebt: nicht Verleugnung der Not, sondern Vertrauen in Gott inmitten der Not Bild: pexels-photo-3746335 / Anna Shvets